Zitrus-Virus

Die historische Zitruspflanzensammlung der Österreichischen Bundesgärten im Schlosspark Schönbrunn wurde Ende der 1990er Jahre neu aufgestellt. Nach internen Veränderungen konnte für die Überwinterung der Pflanzen ein Glashaus im Feldgarten an der Grünbergstraße errichtet werden. Am neuen Standort wurden mit einem neuen Kulturleiter die Erhaltung der alten Zitrusbäume und die gezielte Weiterentwicklung der Sammlung in Angriff genommen. Der Fokus liegt seither aus gartendenkmalpflegerischen Gründen auf historischen Arten und Sorten vor 1900.

Aufgrund der positiven Entwicklung der Sammlung und des stetig steigenden Interesses an der Gattung Citrus wurden im Jahr 2000 die Wiener Zitrustage gemeinsam von den Österreichischen Bundesgärten und der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft (ÖGG) ins Leben gerufen. Die Österreichischen Bundesgärten stellen ausgewählte Pflanzen aus den Sammlungen und das Orangeriegebäude zur Verfügung. Organisation, Sonderausstellung und veranstaltungstechnische Abwicklung erfolgt von Seiten der ÖGG.

In den ersten Jahren waren die Wiener Zitrustage eine kleine Ausstellung der Schönbrunner Zitrussammlung ergänzt durch eine handvoll Spezialgärtnereien, die Zitrus und andere mediterrane Pflanzen zum Kauf anboten, sowie einen Bücherstand mit Spezialliteratur. Die ÖGG schenkte außerdem Zitronenlimonade aus und informierte über die Verwendung der Zitrus in der Küche sowie als Heilmittel. Auch ein privater Pflanzentausch unter den Besuchern war am Anfang Bestandteil des Angebotes.

Im Sommer 2001 wurde im Neuen Garten in Potsdam, Deutschland, die Ausstellung „Wo die Zitronen blühen – Orangerien, historische Arbeitsgeräte, Kunst und Kunsthandwerk“ gezeigt. Die Kuratoren hatten sich jahrelang in den noch betriebenen Orangerien in Europa auf die Suche nach Exponaten begeben. In Schönbrunn waren sie u. a. auf einen historischen Transport- und Verpflanzwagen gestoßen, der schließlich per Kunsttransport im Frühjahr 2001 nach Potsdam gebracht wurde. Zurück in Schönbrunn wurde dieser Wagen restauriert und dann ab 2003 ebenfalls bei den Zitrustagen ausgestellt.

Da die Sammlung historischer Zitrussorten der Österreichischen Bundesgärten kontinuierlich erweitert wird, konnte auch die Ausstellung jedes Jahr etwas vergrößert werden. Am Stand der Bundesgärten konnten die Besucher überschüssige Raritäten aus dem Schönbrunner Bestand erwerben und erhielten darüber hinaus vom Zitrusgärtner eine ausführliche Beratung.

Schließlich entstand der Wunsch von Seiten der ÖGG, das Programm zu erweitern und die Besucher detaillierter über das breite Themengebiet der Orangerien zu informieren. Im Jahr 2008 konnte daher erstmals eine kleine Ausstellung über die Geschichte der Orangeriekultur, der Überwinterungshäuser und der Bedeutung der Orangerien an den fürstlichen Höfen präsentiert werden. Mithilfe der Sammlung des Österreichischen Gartenbaumuseums und der noch in den Österreichischen Bundesgärten vorhandenen historischen Geräte war es auch möglich, Gartengeräte der Orangeriegärtner und verschiedene Transportwagen in die Ausstellung zu integrieren.

Im Rahmen dieser Erweiterung wird seither auch ein umfangreiches Führungsprogramm zu verschiedenen Themen organisiert. Unter dem Titel „Der Geschmack der Zitrus“ können die Besucher Sorten weitab des üblichen Supermarktangebotes probieren und erfahren, dass alle Teile der Früchte genießbar sind und die angebotenen Sorten das bekannte Geschmacksrepertoire von Zitrus weit überschreiten Auch die gärtnerischen Themen wurden erweitert. Die Schönbrunner Erdmischung, die der Schönbrunner Zitrusgärtner in Anlehnung an die historische Literatur seit vielen Jahren selbst herstellt, können die Besucher anschauen und anfassen. Darüber hinaus wird das Umtopfen der Schönbrunner Zitruspflanzen mithilfe eines Nachbaues des historischen Verpflanz- und Transportwagens in einer Computerpräsentation gezeigt. In Sonderführungen werden die normalerweise nicht zugänglichen Botanischen Sammlungen der Österreichischen Bundesgärten gezeigt. Des Weiteren gibt es jedes Jahr wechselnde Vorträge und Präsentationen.

Seit 2010 werden regelmäßig Sonderausstellungen zu einem anderen Schwerpunktthema gezeigt:

2010 Barocke Zitrussorten nach Johann Christoph Volkamer

2011 Orangeriekultur in den Gärten von Großsedlitz und Pillnitz

2012 Präsentation des 1. Bandes der Schriftenreihe der ÖGG: „Über Orangen und Zitronen“

2013 Der Geschmack von Zitrus

2014 Zitrus in der Kunst

2015 Historische Sorten aus den Schönbrunner Inventaren

2016 Biologische Kultivierung von Zitrus in Schönbrunn

2017 Zitrus in aller Munde

2018 Undurchsichtige Familienverhältnisse

Die Wiener Zitrustage sind seit der ersten Veranstaltung im Jahr 2000 stetig gewachsen, nicht nur inhaltlich, sondern auch räumlich. In den ersten Jahren war noch reichlich Platz für Pflanzen, Ausstellungsgegenstände und Verkaufsstände in dem 1200 m2 großen westlichen Teil des Orangeriegebäudes. Seit vielen Jahren wird nicht nur der gesamte Raum bespielt, sondern die Platzvergabe muss genau geplant werden. Die Besucher können bei zahlreichen auf Zitrus, mediterrane und tropische Pflanzen spezialisierten Gärtnereien ihre eigenen Sammlungen ergänzen. Exquisite Gartengeräte, biologische Pflanzenschutzmittel sowie Pflanzenstärkungs- und Düngemittel werden inklusive ausführlicher Fachberatung angeboten. Auf der Basis von Zitrus hergestellte Marmeladen, Alkoholika, Konfekt und andere Köstlichkeiten erweitern ebenso wie eine gut sortierte Fachbuchhandlung die Produktpalette. Und da sich unsere Gäste meist mehrere Stunden in der Ausstellung aufhalten, wird das Angebot eines Cafés gern angenommen.

Die Wiener Zitrustage haben sich im Laufe der Jahre zu einem fixen Bestandteil innerhalb der österreichischen Gartenveranstaltungen entwickelt.